Aufgrund des expliziten Wunsches wurden alle Gedichte sowie Nicoles Profil von meiner Seite entfernt. Ich bin mit ihrer Entscheidung einverstanden und wiederhole mich gern, wenn ich behaupte, dass manche Menschen sich lieber zweimal (noch besser: 3x) überlegen sollten, ob und wo sie ihr so genanntes Werk veröffentlichen wollen.
Ich bin ein wenig enttäuscht, was aber nicht schlimm ist, denn voller Zuversicht auf neuen “Lesestoff” wird das Projekt natürlich weiterlaufen! Die Enttäuschung zeigt mir, dass meine Herangehensweise eventuell ein wenig naiv war / ist und in Zukunft werde ich mich bemühen, früher einen Konsens zu finden, bevor es wieder einen solch lächerlichen Streit gibt.
Nochmal für die Langsamen
Dieses Forum www.lyrikjob.com ist nichts für Leute mit Angst vor (negativer) Kritik. Ich stimme mittlerweile voll und ganz demmrink zu, der vermutet hat (manche nennen es “Unterstellung”), dass gewisse Gedichte bloß einem Zweck dienen: Das Selbst darzustellen, indem persönliche Dinge tagebuchartig und irgendwie lyrisch verpackt werden.
Die circa neunzig Gedichte, die aus meiner Feder stammen und hier frei verfügbar zur Begutachtung und Verdammung bereit stehen, werden weiterhin öffentlich zu lesen sein und ich wäre froh, wenn ich am Ende (wenn demmrink nicht mehr unter uns “wütet”) nicht allein bleibe. Das wäre unglaublich ernüchternd…
Hoffnung für die Zukunft
Ich hoffe inständig, dass demmrink uns erhalten bleibt, da er – wie bereits mehrmals erwähnt – eine wahre und auch seltenerweise wahrhafte Bereicherung für dieses unser Projekt darstellt. Wer es nicht versteht, aus den “in den Weg gelegten Steinen Häuser oder Brücken zu bauen”, dem lege ich ein anderes Projekt nahe, was den Ansatz verfolgt, sich gegenseitig schleimig in den wunden Arsch zu kriechen: http://de.poezio.com








{ 30 Kommentare… einen eigenen schreiben }
ich denke das dieses projekt noch in den kinderschuhen steckt und war selbst endtäuscht und sogar etwas verärgert über nicoles entscheidung-ich meine…was gibt es da nicht zu verstehen…ich wollte gestern schon schreiben das sich nach deinem artikel die spreu vom weizen trennen wird-und es hat sich bewahrheitet…ich für mich widme mich jetzt wieder der schreiberei-brauche stoff für mich und nicht zuletzt um diese seite zu unterstützen-die ein hohes potential hat und viele möglichkeiten bietet…bin gespannt was daraus wird!
Ich bin ebenfalls gespannt und gehe davon aus, dass du mir vorerst als Autor und Mitglied erhalten bleibst? (Das war ein Spaß!)
ich war neu hier und habe 2 texte von mir hier reingestellt!
ich bin entäuscht, dass alles weg ist…. warum muss die allgemeinheit leiden, wenn hier ein kindergartenkrieg ausgebrochen ist???? ich weiss nicht wirklich was über diese gewisse nicole… finds aber echt sch…. dass ernst gemeinte, für die autoren tiefgründige texte einfach so im reißwolf landen!!!!!!!
mfg mone
Liebe Mone, es tut mir leid, dass deine Gedichte auch weg sind. Ich war mir unsicher, ob du dich nur aus “Spaß” hier angemeldet hast oder, weil du wirklich mitmachen möchtest. Zudem waren deine Gedichte ziemlich fehlerhaft, damit meine ich nicht den Inhalt (der ist mir wie gesagt egal) – falls du immer noch Interesse hast, dann können wir dir nochmal einen Account einrichten. Nachdem nun aber so viel Wind um diesen Kindergartenkrieg gemacht wurde, behalte ich mir das Recht vor, unseriöse und aufmerksamkeitsheischende Autoren zu löschen. Ich freue mich natürlich total, wenn du ehrliches Interesse an diesem Projekt hast. Du kannst dich ja mal per Email an mich wenden, dann besprechen wir Näheres auf diese Weise…
“Ich stimme mittlerweile voll und ganz demmrink zu, der vermutet hat (manche nennen es “Unterstellung”), dass gewisse Gedichte bloß einem Zweck dienen: Das Selbst darzustellen, indem persönliche Dinge tagebuchartig und irgendwie lyrisch verpackt werden.”
Was würde wohl ein Theodor Körner dazu sagen, dessen “Lützows wilde verwegene Jagd” nichts anderes darstellt als Körners “persönliche Dinge”, da er selber diesem Freikorps angehörte. Und auch in den Werken eines Hoffmann v.Fallersleben nimmt man mit jedem Vers, mit jeder Zeile, mit jedem Wort dessen ureigenste Sehnsüchte, sein Hoffen und Bangen, seine Ideale, seinen Unmut, seine Enttäuschungen, seine Freude, seine Liebe, seinen Patriotismus und seinen ureigensten Reichswunsch (er wünschte sich ein einiges Deutsches Reich, frei von äußeren Feinden und frei von Unterdrückung durch die Fürsten). Sind nicht auch “Der Tod für´s Vaterland” oder “Heidelberg” eines Hölderlin ganz persönliche Dinge, Empfindungen, Erlebnisse, verpackt in künstlerischer Form. Jedes Gedicht ist immer ein Spiegelbild der Seele seines Verfassers oder der Verfasserin. Die Werke Agnes Miegels quillen nur so über von “persönlichen Erlebnissen”. Einem(r) Dichter/in also es negativ auszulegen, er/sie würde die Dichtkunst nur dazu “mißbrauchen” (zwischen den Zeilen gelesen) “persönliche Erlebnisse zu verpacken”, dies offenbart eine gehörige Portion Ignoranz gegenüber den persönlichen Erlebnis- und Empfindungswiedergaben der großen Meister/-innen in deren Werken.
Ich gehe davon aus, dass du bereits von Anfang an Zuschauer dieser Diskussion bist – ansonsten ist dein Beitrag ziemlich unangebracht.Das Selbst darstellen… Ich mache doch nichts anderes, da jede Art der Öffentlichkeit eine Selbst-Zur-Schau-Stellung ist. Zumindest dann, wenn mich jemand sieht oder anders wahrnimmt. Ich meinte jedoch diejenigen Gedichte / Meinungen / Texte, die ausschließlich dem Ego-Hype dienen sollen. Dazu zähle ich zum Beispiel ignorante Antworten auf liebevoll ausgearbeitete Kommentare und Kritiken, die nur beinhalten, wer wann wo wie viele Gedichte veröffentlicht hat. Sobald du dich ein wenig näher mit der Materie auf http://www.lyrikjob.com beschäftigt hast, werden wir bestimmt eine interessante Diskussion zu Themen wie Ignoranz und Co. führen können. Vorher jedoch empfehle ich dir, dich nicht aufgrund eines einzelnen Gliedes einer langen Kette so weit aus dem Fenster zu lehnen. Obwohl dort natürlich ein hübscher Wind weht…
@peter
Ich denke, es gilt zwei Dinge zu unterscheiden. Zum einen gibt es die Motivation, aus der heraus jemand schreibt. Und in diesem Bereich gibt es eben das “private Schreiben” wie ich es mal nenne. Dieses gilt es nicht zu kritisieren, aber diese sollte auch nicht mit einem Kunstanspruch kokettieren. Ich habe blöderweise in diesem Zusammenhang irgendwie selbst die Begrifflichkeit Tagebuch verwendet, was aber ja nicht bedeuten muss, dass es persönliche Erlebnisse sein mögen, eher die Intimität des Tagebuchs – ein erweiterter Tagebuchbegriff sozusagen.
Du schreibst:
“Jedes Gedicht ist immer ein Spiegelbild der Seele seines Verfassers oder der Verfasserin”
Bei guten Gedichten ist genau DAS aber völlig nebensächlich, weil diese Autoren sprachlich in der Lage waren, ihre Erfahrungen so zu verallgemeinern, dass diese auch heute noch Bestand haben, sprich lesbar sind OHNE die Biographie des Autors zu kennen. Es ist also mitnichten eine Ignoranz gegenüber den “Empfindungswidergaben” der alten (und neuen) Meister … Und Körners “Lützows wilde verwegene Jagd” stellt eben MEHR dar, in einer künstlerisch gültigen Forn, Hölderlin ist kein Sprachverbieger, genau das ist es …
ganz allgemein:
Wer stellt hier eigentlich das nächste Gedicht rein? Ich meine, nicht, dass das in Vergessenheit gerät! Die Seite lebt von ihren Autoren, nicht allein von den Kommentaren. Ohne Autoren/Gedichte= keine Kommentare (egal welcher Art!).
Ich finde es immer wieder schade, dass Projekte mit gutem Ansatz meistens schon im Keim erstickt werden-stattdessen aber 08/15-Seiten endlos im Netz zu finden sind.
Bleibt das hier jetzt etwa auch eine Endlosschleife? Oder sollte die Seite ganz einfach umbenannt werden?
Danke, Viviane! Ich glaube, dass dein Denkanstoß nötig war… mein (bzw. unser) Projekt soll nämlich eben nicht im Keim ersticken, sondern über die 08/15-Seiten hinaus gehen. Was natürlich nicht heißt, dass die Kommentare unerwünscht sind ;-) Damit möchte ich andeuten, dass der Endlosschleife bald ein Riegel vorgeschoben wird, falls das nötig sein sollte.
Ja, das verstehe ich..Kommentare sind schließlich ein wesentlicher Teil einer solchen Seite.
Ich wollte nur mal ein kleines Signal senden ;-) Zwischendurch. Damit eben der Keim nicht Gefahr läuft, zu ersticken.
frederick…..
aus spass gebe ich niemanden einblick in mich.
ein gedicht gibt immer einblick in die seele eines menschen.
auch wenn man nen text über einen baum schreibt…. ist immer eine selbstoffenbarung darin versteckt! es gibt auch lebensabschnitte die sind nicht so prickelnd und da lassen sich die texte nicht zuckersüß lesen. ich finds schade das diese dinge auf ablehnung stoßen.
dein angebot, mir einen neuen account zu machen werde ich mir durch den kopf gehen lassen und werde mich bei dir melden.
lg mone
Der Baum
—
—
Narbig seine Hülle -
unansehnlich und rauh.
Verkrüppelt die Arme –
zum Himmel erhoben.
—–
—–
Doch innen, doch innen,
da fließt Lebenssaft
Doch innen, doch innen
da sammelt er Kraft.
der Baum.
danke demmrink…..
Gut. Ich mache sehr gern Fehler und werde auch sehr gern darauf hingewiesen. Dankeschön für die offene Gesprächsrunde. Jetzt sage ich jedoch noch einmal, wie das hier läuft. Wer es besser machen kann, der kann entweder meine Domain abkaufen, mir konstruktive Vorschläge machen, wie ich mit solchen Situationen (den Kindergartenkriegen) umgehen soll oder einfach akzeptieren, dass dies hier kein Gutenberg Projekt ist, wo zigtausend Euro reingepumpt worden sind, sondern ein 1-Mann-Projekt, welches sehr viel Zeit beansprucht. Ich würde mich daher freuen, wenn man entweder mit mir zusammen nach Lösungen sucht oder einfach mal die Klappe hält. Wem meine Art und Weise, das Projekt zu “führen” missfällt, der ist wahrscheinlich besser bei http://de.poezio.com aufgehoben. Da kann man wirklich jeden Scheiß publizieren und bekommt in 99% der Fälle einen Kommentar, der fast schon impliziert, dass man mit dem Autor ins Bettchen hüpfen will. Hier hingegen wird Lyrik produziert, nicht mehr und nicht weniger. Wer sich in Endlosdiskussionen ergießen möchte, der kann auch mein Forum besuchen: http://www.wort-satz-buch.de/forum/
Täglich beim Blick aus meinem großen Fenster,
ich schaue seiner grünen Laubkrone Pracht.
Meiner Alltagssorgen dunkelgraue Gespenster,
Blick zum Baum hat zunicht sie stets gemacht.
;-)
…wollte mich eigendlich raushalten, aber wenn es so ist…mein vorschlag…vorerst alle kommentare die nicht eines der gedichte betreffen löschen oder nicht zulassen. wenn jemand den sinn oder nutzen, oder die beweggründe der seite anzweifelt oder dagegen arbeitet mit unkonstruktiven einwürfen-mensch es gibt so viele foren wo ihr euch wichtig machen könnt! wenn jemand ein problem hat, dass einer klärung bedarf kann er sich direkt über e-mail an frederik wenden und hier nicht feuer gegen jemanden legen der zeit und geld investiert hat damit eine LYRIKSEITE möglich wird. ich will diesen käse nicht lesen-erzählt das eurem friseur…ich bezweifle das positive in euren beweggründen! ich schlage vor meine kommentare-die keine gedichte oder kritiken betreffen ebenfalls zu löschen!…diesen auch!
…ich werde heute abend endlich wieder etwas “lyrisches” reinstetzen…und bitte euch das auch zu tun…lest die gedichte statt diese bescheuerten diskussionen hier…da ist eure zeit besser investiert!in die sachen von viviane oder auch arne arotnow kann ich mich wunderbar einlesen…nur zu empfehlen…wühlt darinn rum…nicht in dieser sch…! wenn meine rechtschreibung entgleist ist-das passiert immer wenn ich mich aufrege…werde es nicht überprüfen…
Mein Tagebuch
Heute bin sehr traurig ich,
etwas hat bedrückt mich.
Jemand mich bös verglich,
daß verstört ich zurückwich.
Doch habe ich ja Dich noch,
mein liebes treues Tagebuch.
Über so manch gerissen Loch,
decktest Du ein wohlig Tuch.
Ist Balsam wenn ich anvertrau,
Dir meine Freude und Sorgen.
Wenn ich mit der Tinte blau,
schreibe für´s Lesen morgen.
Dann lächle ich und sage mir,
waren dies damals Probleme.
Heute ist´s mir mehr Pläsier,
so auch anderer Leute Häme.
Zum Thema “Persönliche Dinge” in Gedichten, hier ein Klassiker von Körner :
Die Eichen
Abend wird´s des Tages Stimmen schweigen,
Röter strahlt der Sonne letztes Glühn;
UND HIER SITZ ICH UNTER EUREN ZWEIGEN,
UND DAS HERZ IST MIR SO VOLL, SO KÜHN !
Alter Zeiten alte treue Zeugen,
Schmückt euch doch des Lebens frisches Grün,
Und der Vorwelt kräftige Gestalten
Sind uns noch in eurer Pracht erhalten.
Viel des Edeln hat die Zeit zertrümmert,
Viel des Schönen starb den frühen Tod;
Durch die reichen Blätterkränze schimmert
seinen Abschied dort das Abendrot.
Doch um das Verhängnis unbekümmert,
Hat vergebens euch die Zeit bedroht,
UND ES RUFT MIR AUS DER ZWEIGE WEHEN:
Alles große muß im Tod bestehen ! –
Und ihr habt bestanden ! — Unter allen
Grünt ihr frisch und kühn mit starkem Mut.
Wohl kein Pilger wird vorüber wallen,
Der in eurem Schatten nicht geruht.
Und wenn herbstlich eure Blätter fallen,
Tot auch sind sie euch ein köstlich Gut;
Denn, verwesend, werden eure Kinder
Eurer nächsten Frühlingspracht Begründer.
Schönes Bild von alter deutscher Treue,
Wie sie bessre Zeiten angeschaut,
Wo in freudig kühner Todesweihe
Bürger ihre Staaten festgebaut. –
ACH WAS HILFT´S, DAß ICH DEN SCHMERZ ERNEUE ?
Sind doch alle diesem Schmerz vertraut !
Deutsches Volk, du herrlichstes vor allen,
Deine Eichen stehn, du bist gefallen !
Theodor Körner
vielleicht sagen einige dass das gewagt nationalistisch ist…so gut kenne ich- bzw. ganz ehrlich gesagt habe ich körner nie gelesen…es erinnert an nitzsche, oder kommt mir das nur so vor…ich liebe nitzsche…dieses gedicht gefällt mir sehr gut…wann wurde es geschrieben? ich denke zwischen 1920 und 1930… ist das so? ich werde es nicht googlen und freue mich auf eine auflösung!
Es ist von 1811, zwei jahre später ist er als Angehöriger des Lützowschen Freikorps gefallen. 1925 wurde es von Hans Joachim Moser vertont. Übrigens, Körner war Nationalist, darum meldete er sich auch freiwillig zum Freikorps, um gegen Napoleons Truppen zu kämpfen.
vielen danke!-ist wirklich interessant…ich hätte diese art von nationalismus in die zeit nach dem 1. weltkrieg eingeordnet.
Wie schreibt man eigentlich “Baum”?
Anyway, we should calm down.
meine güte…. da habe ich mit meinem beispiel baum, mal echt ne lawine losgetreten!!!
Meiner Meinung nach ist ein Gedicht ohne persönliche Gedanken- und Empfindungswiedergabe des Verfassers etwas seelenloses, eine Art künstlerisch fromulierter Wissenschaftstext.
Korrigierte Fassung :
Mein Tagebuch
Heute bin sehr traurig ich,
etwas hat bedrücket mich.
Jemand böse mich verglich,
daß verstört zurück ich wich.
Doch habe ja ich Dich noch,
mein liebes treues Tagebuch.
Über so manch gerissen Loch,
decktest Du ein wohlig Tuch.
Ist Balsam wenn ich anvertrau,
Dir meine Freude und Sorgen.
Wenn ich mit der Tinte blau,
schreibe für´s Lesen morgen.
Dann lächle ich und sage mir,
waren dies damals Probleme.
Heute ist´s mir mehr Pläsier,
so auch anderer Leute Häme.
Lieber YinYangPeter: Wie wäre es, wenn du dich als offizieller Autor zu uns gesellst? Dein Tagebuch gefällt mir eigentlich ganz gut. Außerdem werden dann nicht themenfremde Seiten mit Lyrik zugemüllt. Und umgekehrt…
Ich bin auch schon in anderen Lyrik-Internet-Foren gewesen und musste immer wieder sehen, dass dort manche Leute fertiggemacht werden. Ich glaube, es gibt wohl kaum etwas im Internet, wo so viel Blödsinn geredet wird wie über Gedichte. Diskussionen über Texte jeglicher Art halte ich persönlich ohnehin für überflüssig. Das ist nur meine persönliche Einstellung dazu, denn ich weiß ja, wie diskussionsfreudig viele Leute sind. Ich selbst beteilige mich nicht gerne an Diskussionen, denn meistens kommt ja nicht viel dabei heraus. Es wird meiner Meinung zu viel diskutiert und zu wenig gemacht. Ich habe manchmal den Eindruck, dass man sich in unseren Breitengraden noch zu Tode diskutiert. Beckmann, Kerner, Will, Illner – jeden Tag Diskussionen. Vielleicht entstehen Diskussionen durch Ratlosigkeit. ––– Aber ich möchte zurückkommen zum Thema »Gedichte oder gedichtähnliche Texte«. In dem Film »Der Club der toten Dichter« lässt der Literaturlehrer von seinen Schülern eine Seite aus einem Lehrbuch herausreißen. Auf dieser Seite steht, wie man mithilfe eines graphischen Verfahren die Güte eines Gedichtes ermitteln kann. Als ob man die Güte eines Textes ermitteln könnte. Solange es sich bei einem Text um ethisches Schrifttum handelt, könnte ich keine Güte zuordnen. Zwar kann es sein, dass ich mit einem Text der Person A mehr anfangen kann als mit einem der Person B, aber ich würde nicht sagen, dass der Text von A besser ist als der von B. Ich bin ohnehin kein Kritiker, denn ich habe noch nie im Internet ein Gedicht von jemand anders kritisiert. Zudem kann es sogar sein, dass ich einen Text gar nicht verstehe. Wenn ich etwas nicht verstehe, kann ich nur sagen, dass ich es nicht verstehe; keinesfalls könnte ich dann eine Kritik abgeben. Ich kenne keine »guten« oder »schlechten« Texte, sofern etwas nicht verboten oder unmoralisch ist. Jeder Text hat seine Berechtigung und Entwicklungsgeschichte. Es kann tausend Gründe geben, warum jemand etwas schreibt. Im Deutschunterricht versucht man, Texte zu interpretieren. Vielleicht sollte man mehr interpretieren und weniger kritisieren. So hat man es in der Schule gelernt. Ich kann mich nicht daran erinnern, gelernt zu haben, wie man Schmähschriften verfasst. Ich persönlich mag weder positive noch negative Kritik. Was auch ganz schlimm ist, sind Bewertungen in Form von Zahlen. So etwas gibt es im Internet zuhauf. Zum Beispiel 10 Punkte sind hervorragend und 1 Punkt ist extrem schlecht. Solche Bewertungen sagen für mich so gut wie nichts aus. Solche Bewertungen sagen allenfalls aus, dass n Personen jeweils eine Bewertung abgegeben haben und nachher die Summe der einzelnen Bewertungen durch die Anzahl n der Bewerter geteilt wird. Mehr sagt das nicht aus. Sollte also die Person A einen besseren Punktedurchschnitt erreichen als die Person B, heißt das nur, dass die Mehrheit mehr Gefallen an dem von A Produzierten hat. Wenn ich in der Fernsehzeitung mir die Punktevergabe zu Filmen ansehe, stelle ich manchmal fest, dass ich selbst anders gewertet hätte. Jeder sollte sich selber eine Meinung bilden. Aber wie gesagt: Ich selbst gebe keine Bewertungen in der Öffentlichkeit ab. Schon gar nicht würde ich andere Schreiber kritisieren, denn eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Michael Ballack würde in der Öffentlichkeit auch nicht Thorsten Frings kritisieren. ––– Mir geht es nicht immer nur um mich selbst. Den latenten Vorwurf der Selbstdarstellerei muss ich von mir weisen. Es gibt nicht immer einen konkreten, vollkommen nachvollziehbaren Grund, etwas zu schreiben. Gründe für Taten und Texte können so tief verborgen liegen, dass man sie selber gar nicht ausfindig machen kann. Daher habe ich das an sich nahezu sinnlose »Gedicht« »Jahreszeiten« in den Entwurfsordner gestellt. Es handelt sich um eine Schnapsidee. Es wurde sowohl positiv als auch negativ kritisiert. Dass das nichts Ernsthaftes ist, weiß ich natürlich selber. Es muss ja nicht alles ernsthaft sein. ––– Wie gesagt: Ich mache mir nicht viel aus Kritik. Weder aus Kritik gegenüber anderen oder aus Kritik mir selber gegenüber. Solange Kritik kein Beleidigungsvokabular, keine schulmeisterlichen Belehrungen und keine unterschwelligen Anfeindungen enthält, ist mir das egal. ––– Ich lehne eine Lyrik-Polizei ab. Auch vertrete ich die Auffassung, dass man alles lyrisch verpacken kann. Man kann auch eine Bedienungsanleitung lyrisch verpacken. Ich verstehe mich nicht als Künstler. Ich setze mich nicht hin und sage mir: »Ich mache jetzt Kunst.« So vermessen bin ich nicht. Jeder Schreiber muss seinen eigenen Weg finden und sollte sich nicht zu viel von anderen beeinflussen lassen. Wenn jemand von etwas überzeugt ist, sollte er es auch schreiben, ohne sich hinterher entschuldigen zu müssen. Für mich ist es nicht sinnvoll, mich mit anderen zu vergleichen und ihnen nachzueifern. Ich unternehme keinerlei Versuche, irgendjemandem das Wasser zu reichen. Ich lehne eine Konkurrenzgesellschaft, in der es darum geht, die Ellenbogen auszufahren, um andere zu übertreffen, ab. Auch bin ich nicht auf Erfolg um jeden Preis aus. Selbst wenn ich wüsste, was andere lesen wollen, würde ich es nur dann schreiben, wenn ich auch selber davon überzeugt bin. Ich mache keine Versuche, irgendjemanden von irgendetwas zu überzeugen.
@arne aratnov… hallo arne-ich verstehe dich voll und ganz…deine sicht der dinge. es ist wohl von jedem selbst abhängig wie er mit etwas umgeht, nicht umgeht oder es halt verweigert damit umzugehen-oder es begrüßt. wie ich in anderen kommentaren schon geschrieben habe-meiner meinung nach lohnt es sich immer zuzuhören…die meinung anderer in das eigene denken einfließen zu lassen…nicht-sich beeinflussen zu lassen!…kritik-ernsthafte kritik, kann in der lyrik oder auch in anderen bereichen das eigene verengte sichtfeld auf eine sache erweitern…was nützt es zum beispiel wenn ich menschen mit dem was ich schreibe etwas vermitteln will-ich eine wunderschöne aussage oder wahrheit (die ich für mich und im günstigsten fall andere gefunden habe) in einen lyrischen text verpacke-und ihn keiner versteht…es wäre schade wenn keiner sagen würde “dass verstehe ich nicht!”… es wäre auch schade wenn keiner sagen würde du hast dass und dass falsch gemacht-deshalb versteht dich evtl. keiner.
ich bringe ein beispiel welches jeder hier nachverfolgen kann. demmrink (der pfeffer in unserer suppe;)) hat den text zu meinem liebeslied kritisiert…ich habe bewusst die satzzeichen ausgelassen weil ich immer der meinung war so zu schreiben, das genug raum für interpretationen bleibt…ich musste feststellen dass er einen satz den ich als frage gemeint habe-und da ich ihn ja für mich so verstanden habe, hab ich ihn auch immer so gelesen…völlig anders interpretiert hat…das ist eine kleinigkeit denkt man…aber für mich war dass wirklich ernüchternd-weil ich natürlich möchte dass man den satz so liest wie ich ihn meine…diese kritik hat also wirklich etwas in mir bewegt…ich bin am überlegen ob ich es hernehme und überarbeite…neu forme und etwas richtiges daraus mache…verstehst du?…es ist immer eine frage welche sicht der dinge man hat. ich finde kritik kann wirklich produktiv sein-ich möchte aber betonen, das ich nach dem durchlesen deines kommentars überzeugt davon bin das deine sicht der dinge FÜR DICH richtig ist. ich finde das beispiel aus dem film sehr gut…auch was du über dein gedicht jahreszeiten gesagt hast…ich finde es übrigens banal aber gut…und ich hatte sofort als ich es gelesen hatte eine melodie im ohr;) …leider ist es sehr schwer diese wunderbare melodie mit worten zu fassen!… aber vielleicht hast du beim schreiben daran gedacht!?
Natürlich lasse ich die Meinung anderer in mein Denken einfließen; jeder tut dies mehr oder weniger unbewusst. Wenn ich einen Text lese, versuche ich in erster Linie ihn zu interpretieren und nicht zu kritisieren. Man muss das, was jemand schreibt, zunächst einmal respektieren. Ich sage jemandem nicht, was er schreiben soll. Was jemand schreibt, ist ganz alleine seine Sache. Ich möchte niemanden verbiegen oder verbessern. Wenn jemand was schreibt, ist es zunächst eine Tatsache. Ich kann nicht hingehen, jemanden dazu bewegen, es anders zu schreiben. Allenfalls kann ich jemanden dazu bewegen, die Sache zu überdenken. Wenn jemand also meint, er müsste einen von ihm geschriebenen Text hundertmal abändern, kann er das gerne tun. Aber irgendwo ist auch eine Grenze. Jedenfalls würde ich nicht hingehen und jemanden dazu auffordern, einen von ihm geschriebenen Text auf meine Bedürfnisse hin zu verändern. Wer immer genau das tut, was Kritiker wollen, wird sich selbst nicht finden und am Ende gar nichts mehr schreiben. Ein Schreiber muss es nicht allen recht machen. Es gibt Millionen von Absichten, die ein Schreiber verfolgen kann. Manchmal findet der Interpretierer es heraus und manchmal nicht. Ob der Interpretierer richtig interpretiert hat, kann ihm auch nur der Schreiber sagen. Im Übrigen habe ich Probleme mit dem Adjektiv »richtig«. Richtig ist 3 + 4 = 7. ––– Dass ich Kritik nicht ernst nehme, kann niemand behaupten. Ich habe in der Vergangenheit bei meinen Plansprachenkonstruktionen auf Kritik reagiert und aus einer Plansprachenversion durch gründliche Überarbeitung eine neue gemacht. Es gibt Dinge, die einer Mehrheit gefallen müssen, sonst kann man keinen Erfolg damit haben. Beim Schreiben von Texten sieht es für mich aber etwas anders aus. Häufig enthalten Texte Meinungen, Lebenseinstellungen und Erfahrungen. Ich kann jedoch diese Dinge nicht einfach über den Haufen werfen. Häufig ist es auch so, dass unterschiedliche Kritiker unterschiedliche Meinungen haben. Wenn man das alles berücksichtigen würde, würde man wahrscheinlich bekloppt in der Birne (falls man das nicht schon ist). Ich will nicht jedem gefallen. Wer ständig die Zustimmung der Mehrheit sucht, läuft Gefahr, Verrat an sich selbst zu üben. In einer gewissen Weise sollte man sich schon treu bleiben. ––– Ich verstehe es, wenn Menschen etwas Gutes tun wollen. Das ist ganz natürlich, jeder möchte hier und da Anerkennung erfahren. Aber man sollte authentisch bleiben und sich nicht mal eben so verbiegen lassen, weil irgendjemand das will. Wenn jemandem ein von ihm geschriebener Text selbst gefällt und gegen keine Gesetze verstößt, dann ist das schon in Ordnung. Man kann dann zwar stundenlang drüber diskutieren, Rechtschreib- und Grammatikfehler beseitigen und den Text dem Wunsche der Mehrheit anpassen. Wenn das getan wird, bleibt aber das Individuum auf der Strecke. Und das ist häufig das, worum es eigentlich in Texten geht. Wer den Erfolg um jeden Preis sucht, kann sich gerne überlegen, was andere Leute und Kritiker lesen wollen. Er wird dann auch Dinge schreiben müssen, die ihm gegen den Strich gehen. Am Ende wird er sich fragen, wer er eigentlich ist und was er dafür geopfert hat. Wie gesagt: Kritik kann man ernst nehmen und positiv nutzen, aber man sollte sich ihr nicht anbiedern. Überhaupt sollte man sich nicht ZU viele Gedanken machen und sich in sinnlose Diskussionen verstricken lassen. Man sollte schon das tun, wonach einem ist und woran man selber Spaß hat. ––– Vor drei Jahren bin ich in Recklinghausen spazieren gegangen. Ich kam an einer Bushaltestelle vorbei, wo zwei Männer sich unterhielten. Worum es dabei ging, weiß ich nicht. Ich habe nur gehört, wie der eine zum anderen Folgendes sagte: »Kritiker haben keine Ahnung.« ––– Ich kann mich nicht mehr dran erinnern, was ich bei dem Gedicht »Jahreszeiten« gedacht habe, denn ich habe es im Mai 2007 geschrieben. Es hat ca. fünf oder sechs Stunden gedauert. Intention ist hier die Alliteration. Als ich begonnen hatte, musste ich das auch weitermachen. Ich fand das halt lustig.